Ein hellseherischer Auftrag aus Redmond

erschienen: GMS Themendienst, 3.8.1999

Bildarchive und Fotoagenturen nutzen zunehmend den Internet-Bilderhandel für lukrative Geschäfte auf E-Commerce-Sites. An vorderster Front dieser Sparte des E-Business firmiert der Internet-Galerist Bill Gates mit seinem Unternehmen Corbis. Der Software-Tycoon aus Seattle fasste mit einer seiner vielen Visionen den Gedanken, dass perspektivisch der Besitz an den Verwertungsrechten der Quellen für digitale Produktionen von der CD-ROM bis zum Hollywoodfilm gewinnträchtiger sei als vielleicht die ganze Maschinerie der Multimediaproduktionen, die am Ende der neunziger Jahre über uns hinwegfegt. 1993 gründete Bill Gates die hundertprozentige Microsoft-Tochter CORBIS (www.corbisimages.com). Der hellseherische Auftrag aus Redmond lautete damals wie heute: die Digitalisierung von allem aus den bildenden Künsten, der Malerei, der Fotografie oder der Filmwelt, was zahlungskräftige TV-, Filmproduktionsfirmen und Verlage verwerten könnten – so ist es auch in seinem 1995 veröffentlichten Buch „The Road Ahead“ nachzulesen.

In den letzten Jahren hat Corbis durch die beständig vorangetriebene Digitalisierung der Aufnahmen von Bauwerken, Plastiken, Malereien sowie von Motiv- und Personenfotografien einen unermeßlichen Bilderschatz angehäuft, der Internetkunden aus aller Welt auf die Website lockt. Den unersättlichen Multimediamarkt vor Augen kauft Corbis traditionsreiche Unternehmen wie das Bettmann-Archiv oder  kürzlich das Archiv der französischen Agentur Sygma und erwirbt damit Millionen von Aufnahmen zeitgeschichtlicher Fotografie. Ein kleiner Schatz dürfte auch der Erwerb der  Bildrechte an historischem Material der NASA sein. Von den Bilderschätzen digitalisiert Corbis offenbar nur eine attraktive Auswahl von Themen und Motiven, die von Bildeinkäufern aus Produktionsfirmen, Verlagen oder Privatkunden auf dem Multimedia-Informationsmarkt begehrt und nachgefragt werden. Corbis baut seine strategische Position auf dem Internet-Bildermarkt zielstrebig aus, indem das Unternehmen „digitale Partnerschaften“ mit Agenturen wie Anfang Juli mit der Gruner-und-Jahr-Tochter Picture Press (www.picturepress.de) eingeht. Die Hamburger Bildagentur übernimmt seit Anfang Juli die Vertretung im Bereich „Traditional Licencing“ der Bilddatenbank „Corbisview“ für den deutschen Markt. Alle Anfragen, die aus dem deutschen Raum an Corbis: USA oder Corbis: Grossbritannien gelangen, werden an Picture Press geleitet. Für registrierte Nutzer ist das Bildmaterial der Corbisview-Datenbank, allerdings mit einem deutlich aufgebrachten Schutzvermerk, frei zugänglich, das gewünschte Bild kann jederzeit zu Testzwecken bezüglich Auflösung und Farbtiefe auf den Computer übernommen werden. Die lizensierte Bilddatei, aus welcher der einfache Kopierschutz entfernt ist, gelangt per EMail, Datentransfer oder CD-ROM an die Corbis-Kunden. Die Lizenzgebühr staffelt sich je nach Auflösungshöhe für unterschiedliche Ausgabemedien. Für die Verwertung von lizensiertem Filmmaterial zahlt der Kunde eine Lizenzgebühr von fünf Dollar pro Woche. Den Kunden („Clients“) erwerben ein eng begrenztes Recht an der elek-tronischen Reproduktion der Bildinformationen. Ihnen ist die Reproduktion eines lizensierten Bildes auf einer Homepage oder im Intranet durch die „Terms and Conditions“ auf der Corbisimages-Homepage untersagt, gestattet ist dagegen die Verarbeitung mit Layout- und Bildbearbeitungsprogrammen, soweit das Copyright von Corbis durch unerlaubte Weitergabe oder digitale Montagen nicht verletzt wird.