Der Expertenmakler

In: Die Welt, November 1997

Ein neuer Informationsdienst soll die Kommunikation zwischen Hochschulen und der Industrie verbessern. Der Transfermakler – ein neuer Vermittlungsservice für technologische Informationen im Internet

Anfang September startete mit dem Transfer-Makler ein neuer Vermittlungsservice für technologische Informationen im Internet. Das Projekt, das vom Informationsdienst Wissenschaft (idw) (www.uni-clausthal.de/idw/) koordiniert wird, hat sich zum Ziel gesetzt, die fachliche Kommunikation zwischen universitärer und industrieller Forschung zu verbessern. Noch kürzlich kritisierte Bundesforschungsminister Jürgen Rüttgers, daß die Forschungsinstitute der Universitäten und von Unternehmen oft forschten, ohne von laufenden Projekten zu wissen und technologisch-wissenschaftliche Informationen gegenseitig auszutauschen. Wenn aber die kommunikativen Querverbindungen zwischen der universitären und der industriellen Forschung nicht funktionieren, dann passiert es nach wie vor, daß Technologieprodukte am Markt vorbei produziert oder mit mehrjähriger Verspätung zur Marktreife gebracht werden. Um Fehlentwicklungen vorzubeugen, kann in einem konkurrierenden Weltmarkt kein Unternehmen auf wissenschaftlich-technologische Informationen mit hoher Aktualität zu verzichten. Denn Industrieprodukte bleiben nur dann im internationalen Wettbewerb konkurrenzfähig, wenn sie auf hohem technologischem Niveau entwickelt werden und den internationalen Qualitätsnormen entsprechen.

Im den informellen Austausch und die fachliche Kommunikation zwischen den Experten aus den Hochschulinstituten und den Entwicklungsabteilungen der industriellen Forschung auf eine breitere Basis zu stellen, wurde der Transfermakler ins Leben gerufen. Mit dem Transfermakler sollen intensivere Kommununikationsbeziehungen, gegenseitige Unterstützungsmaßnahmen in der angewandten Forschung und innovative Joint-Venture-Projekte zwischen den beteiligten Hochschulen und Entwicklungslabors der Industrie angeregt werden. Der Wissenstranfer zwischen wissenschaftlicher und industrieller Forschung, der mit dem Transfermakler intensiver gestaltet werden soll, kann sich auf den Austausch von angewandten Forschungsergebnissen, auf Patentnachweise oder fachliche Beratung beziehen. Von den Vermittlungsdiensten des Transfermaklers sollen künftig sowohl die Hochschulinstitute als auch die industriellen Entwicklungslabors, z.B. durch Projektberatung, durch technische Unterstützung mit Labormitteln oder sogar Sponsorship, profitieren.

Das Modell des Expertenmaklers

Dabei orientiert sich der Transfermakler an dem Modell des Expertenmaklers. Der Expertenmakler des Informationsdienstes Wissenschaft (idw) basiert auf der Initiative der Pressestellen deutscher Universitäten und Hochschulen, mit dem Ziel, die Darstellung und Thematisierung wissenschaftlicher Forschung in den Medien zu verbessern. Der Expertenmakler ist ein Informations- und Vermittlungsservice für Journalisten, die über wissenschaftliche Themen recherchieren und kompetente Ansprechpartner aus den Wissenschaften suchen. Der Vermittlungsservice des Expertenmaklers nutzt die elektronische Post („E-Mail“) zur Übermittlung eingehender Recherchen an die bundesweit angeschlossenen Hochschul-Pressestellen. Recherchierende Journalisten können aber auch ihre Themenstellung nach altbewährtem Rezept per Telefon oder Fax an eine universitäre Pressestelle einsenden, die an den Expertenmakler angeschlossen ist. Es ist dann die Aufgabe der Pressestelle, die Anfrage in einem E-Mail-Verbundsystem zu veröffentlichen. Die Expertenmakler in den bundesweiten und auch schweizerischen Hochschul-Pressestellen suchen dann nach einem Spezialisten an ihrer Hochschule. Kommt ein Experte in Frage, der als ausgewiesener Fachmann die Fragen eines Journalisten beantworten könnte, wird ein Kontakt zwischen dem Experten und dem Journalisten vermittelt. Dies kann innerhalb weniger Stunden geschehen und ein Journalist, der über den Expertenmakler einen Spezialisten sucht, kann gleich mehrere Kontakte genannt bekommen.

Dabei handelt der idw nicht uneigennützig. Jeder vermittelte Experte bekommt von den Medien die Möglichkeit, sich, sein Forschungsgebiet und seine Institution, für die er tätig ist, in den Medien mit Fachkompetenz zu präsentieren. Der Experte wirbt praktisch mit seinem Wissen für sein Forschungsgebiet, sein Institut oder Labor.

Die erweiterte Zielsetzung des Transfermaklers

Der Transfermakler verfolgt gegenüber dem Expertenmakler eine erweiterte Zielsetzung. Durch den Informationsverbund von Hochschul-Pressestellen und Öffentlichkeitsabteilungen von Wirtschaftsunternehmen wird ein neuartiges Kommunikationsangebot geschaffen. Die Kommunikationsbeziehungen zwischen der Wissenschaft und der Industrie entwickeln sich meist projektbezogen und über einen längeren Zeitraum. Das Forschungsprojekt, zu dem fachliche Unterstützung angefragt wird, muß detailliert beschrieben sein, damit die Vermittlungsbemühungen des Transfermaklers einsetzen können. Für die Bereitschaft zur Kooperation müssen besonders auch zeitliche Ressourcen freigesetzt sein. In der Entwicklungsphase werden vor allem Ansprechpartner gesucht, die die Vermittlungsaufgaben von Experten für ihr Unternehmen besorgen.

Der Fachinformationsservice des idw

Auf der Homepage des Informationsdienstes Wissenschaft können Pressemitteilungen deutschsprachiger Universitäten und Hochschulen kostenlos abonniert werden. Wenn ein Institut oder ein Forschungslabor eine Pressemitteilung veröffentlicht, wird sie nicht nur in der Datenbank des idw archiviert, sondern auch automatisch an die Abonnenten weiterleitet. Auch dieser Service des idw wird hauptsächlich per elektronischer Post abgewickelt. Momentan sind beim idw 945 Abonnementen von hochschulwissenschaftlichen Mitteilungen eingetragen – Tendenz steigend.

Daß Pressemitteilungen aus der deutschen Forschungslandschaft beim idw nicht Schnee von gestern ist, zeigt sich auch am „idw-Kiosk“, einem weiteren Serviceangebot, das über die Homepage des idw abgerufen werden kann. Neben Pressemitteilungen versammelt der idw-Kiosk wissenschaftliche Publikationen und Berichte aus der Forschung. Dabei sind die idw-Veranstalter natürlich auf die Kooperation der wissenschaftliche Institute angewiesen, die ihre Publikationen im Internet veröffentlichen.